Austrian magazine SKUG about “Platforms”

Nimmt man die CD-Hülle in die Hand, dann lässt sie sich nicht auf herkömmliche Weise öffnen. Man muss zuerst den hinteren Teil links nach vorne klappen und daraufhin den Teil, den man in der rechten Hand hält über die diagonale Hälfte ein wenig entfalten und dann diametral gegen die der ersten entgegen liegende Diagonale ziehen, um Zugang zur Lasche zu erhalten, in der die CD eingebettet liegt. Versucht man die Hülle auf eine andere Art zu öffnen, dann spießen sich die vorgegebenen Knickungen und man stößt an die Grenze des Materials. Auf diese Art gefaltet liegt der Schriftzug »Plaster« auf einer anderen Ebene, einer anderen Plattform, als der Albumname. Auf dem Datenträger selbst gehen die Faltungen weiter. Auf der CD befinden sich acht Audiotracks und ein Videoclip von David Terranova. Verschiedene Medien gefaltet auf einem Medium. Mehrere Arten von Technik kommen beim Abspielen zum Einsatz; genauso wie mehrere Wahrnehmungsarten eingesetzt werden müssen. Die Haptik: Die Hülle stellt durch ihre Faltung mehrere Räume dar, die dem Gehirn eine (zumindest intuitive) Form von Logik abverlangen.

Das Hören: Intuitiv logisch präsentieren sich auch die acht Tracks durch ihre klaren und präzise gesetzten Electronica-, IDM-, oder teilweise auch Dubstep-orientierten Strukturen. Immer wieder kommen plattform- oder blockartige Elemente, die in verschiedene Höhen ragen und dazwischen Momente des Freiraums. Nach dem letzten Track hat man das Gefühl von einer Plattform gefallen zu sein und in eine zarte Stille der Ruhe zu sinken.

Das Sehen: Plaster arbeiten live fast immer mit Videokünstlern wie Lasal und David Terranova zusammen. Das Video zu »Structure«, auf der CD genannt »Lydia K«, nach der Performerin im Clip, entfaltet die in diesem spezifischen Track liegende Spröde, die durch das harte Licht von oben und die Videoeffekte visuell herausgearbeitet wird. Das Schmecken und das Olfaktorische bestehen in einer gewissen Neutralität. Die Abwesenheit der die Raumwahrnehmung komplettierenden Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen weisen darauf hin, dass das Medium der CD nicht alles wiedergeben kann, was den beiden Mitgliedern von Plaster eigentlich wichtig wäre; dass bei allen Möglichkeiten, die sich aus dem Medium CD entfalten lassen, doch der Schritt zur Live-Performance, bei der alle Sinne angesprochen werden, leider nicht gemacht werden kann. So sind die Möglichkeiten auf dem Album zwar gut ausgereizt, aber sie ersetzen nicht, Plaster mal live anzusehen, um ihre ausgefeilten Installationen erleben zu können.

http://www.skug.at/article6092.htm